Konjunkturpaket Deutschland

Von Tom Firley

Liebe Leser,

passend zum gestern (für heute) angekündigten Thema, erhielt ich diesen Morgen eine nette, vielleicht etwas verspätete Leser-E-Mail:

Hallo Herr Tom Firley!

Ich freue mich immer wieder über Ihre nüchterne Art die Dinge rund um den Dax, etc., zu betrachten. Das wollte ich Ihnen zum Neujahr einfach einmal mitteilen: weiter solche Klarheit bewahren!

Gruss
Klaus P.

Und dann kam alles anders…

Eigentlich wollte ich Ihnen heute ein paar Chartanalysen zu verschiedenen Blue Chips aus den großen deutschen Indizes präsentieren. Aber ein „kleiner” Einschub ist jetzt doch etwas länger geworden. Bitte sehen Sie es mir nach…, dafür werde ich mich in Zukunft auch nicht allzu oft über politische Themen auslassen. Hier also der kleine Einschub:

Konjunkturpaket Deutschland, Teil 1 bis X

Bitte wundern Sie sich nicht, dass ich mich momentan nicht an Grundsatz-Diskussionen zu Pro und Contra von Konjunkturpaket 1 und 2 beteilige. Dies wäre ein Thema, bei dem ich sicherlich nicht kühl und nüchtern berichten könnte und vermutlich würde ich mich hier um Kopf und Kragen schreiben. Nur kurz möchte ich anmerkeln:

Die klügsten Köpfe

Vor einigen Monaten behaupteten ja noch die klügsten Polit-Köpfe Deutschlands, die Finanzkrise würde Deutschland ja nicht soooo betreffen und die USA solle schön die eigene Suppe selbst auslöffeln… Wie Sie wissen, kam es dann ein bisschen anders. „Auf einmal” sind wir in der schlimmsten Krise, die Nachkriegsdeutschland erlebt hat.

Bleibt zu hoffen, dass beim Einsatz des deutschen 80 Milliarden-Gesamt-Konjunkturpakets noch klügere als die vormals klügsten Köpfe das Sagen haben werden - oder zumindest bei der Vergabe der Milliärdchen hinzugezogen werden.

Ansonsten könnte es ja zum Beispiel passieren, dass die Automobil-Branche in Kürze wieder auf solide Füße gestellt werden wird, allerdings kein ehemaliger Arbeitnehmer sich mehr ein neues Auto leisten kann (außer den Vorständen aus dem Mittelstand… vielleicht).

Von der Finanzbranche ganz zu schweigen; aber die werden ja wieder ganz anders gerettet, nämlich durch Bürgschaften oder Verstaatlichung, doch lassen wir das Thema an dieser Stelle…

Verwaltungsstaat Deutschland

Auf eine Zahl bin ich schon jetzt ganz besonders gespannt: Wieviel wird es im Formular- und Bürokratiestaat Deutschland wohl kosten, die oben genannten 80 Milliarden (wenn es dabei bleibt) sinnvoll zu verteilen? Es geht ja schließlich nicht nur darum, einfach so Geld auszugeben, zu investieren oder weniger Steuern zu verlangen oder ein paar Straßen zu renovieren.

Da muss oder sollte zumindest schon genau hingeguckt werden, über welche Unternehmen denn da nun der Rettungsschirm gespannt wird. Und Sie glauben doch wohl nicht, dass diese Rettungsmaßnahmen ganz ohne Verwaltungs- und Papierkram vonstatten gehen werden?

Ich kann mir gut vorstellen, dass alleine die Kosten zur Durchführung des Pakets so hoch sein werden, dass - ohne Verwaltungsaufwand - ganze Geschäftszweige, Branchen massiv und effektiv mit diesem Geld unterstützt werden könnten. Hm, vielleicht sollte ich mich bewerben als interim-Beamter…

Vorschlag zur Rettung der Retter

Ich hätte da mal einen Vorschlag, damit sich die Retter der Nation am Ende nicht selbst retten müssen. Also, folgende Überlegung:

80 Milliarden Euro wird das Rettungspaket also „kosten” (wobei Kosten auch nicht vereinnahmte Steuern und Vergünstigungen darstellen).

In Deutschland gibt es etwa 40 Millionen Erwerbstätige.

Das bedeutet, dass auf jeden Erwerbstätigen eine Portion von 2000 Euro Rettungspaket anfällt. Nochmal nachrechnen, bei so vielen Nullen kommt man leicht durcheinander:

2.000 Euro mal 40.000.000 = 80.000.000.000
Stimmt also.

Mein Vorschlag: Ich würde mich bereit erklären im Laufe der nächsten zwei Jahre 2.000 Euro nicht zu sparen. Das bedeutet: Geld, dass ich normalerweise auf die hohe Kante gelegt hätte, gebe ich für etwas im Binnenmarkt (da haben wir es, das Zauberwort) aus, dass ich sonst nicht konsumiert hätte.

Faire Sache, oder?

Wenn das jeder machen würde, dann würde es doch auch allen bald viel besser gehen; oder zumindest weniger schlecht, oder nicht? (Das ist jetzt noch nicht einmal ironisch gemeint, falls ich den Eindruck erwecken sollte). Allerdings, jetzt kommt der Haken:

Meine Forderung: Wenn ich schon 2.000 Euro für etwas ausgebe, was ich mir sonst nicht geleistet hätte, dann möchte ich auch bestimmen, wohin im Gegenzug meine 2.000 Euro aus dem Rettungspaket fließen. Gerne auch per Post…

Und auf diese Weise würde ich der Deutschen Post so nebenbei auch noch über 20.000.000 Euro zusätzlichen Umsatz bescheren (40 Millionen Briefmarken je 0,55 Euro).

Tom Firley

Tom Firley

Aus Erfahrung weise ich darauf hin: Senden Sie mir als Reaktion auf meinen Text bitte keine beleidigenden E-Mails oder platzieren Sie unter diesem Text keine unsachlichen Kommentare. Senden Sie mir nach Möglichkeit konstruktive Kritik, die wir hier besprechen können.

Ihre Meinung interessiert mich sehr, bitte nutzen Sie die Kommentar-Funktion unter diesem Text.

Herzlichen Dank im Voraus und weiterhin viel Erfolg an der Börse

Ihr Tom Firley

Börsen-smalltalk, Geldanlage

15.01.09 | 92 Kommentare

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