Zocken Sie noch oder investieren Sie schon?

Von Tom Firley

Nehmen wir einmal zwei Börsen-Anfänger. Beide haben Ende letzten Jahres von ihren jeweiligen Freunden gehört, dass Aktien eine tolle Sache seien. Also haben Sie zu Beginn diesen Jahres das „Börsengeschäft“ begonnen. Dabei folgten sie den Ratschlägen ihrer Freunde.

Börsenanfänger 1 (der Zocker):
Dem ersten Börsenanfänger wurde geraten: „Konzentriere Dich immer nur auf eine Aktie. Nimm Dein Geld und setze alles auf einen Wert, so musst Du Dich bei Deiner Spekulation auch jeweils nur auf eine Aktie konzentrieren. Wenn du 10% im Verlust liegst, dann verkaufe wieder. Wenn Du 10% im Gewinn liegst, dann nimm die Gewinne mit. So hast Du ein ausgewogenes Risiko-Management und Du musst nur öfter richtig als falsch liegen, schon sprudeln die Gewinne.“

Achtung: Die letzten Zeilen sind natürlich keine Theorie, sondern meines Erachtens Blödsinn. Aber schauen wir uns an, was dem zweiten Börsenanfänger gesagt wurde:

Börsenanfänger 2 (der Investor):
Der zweite Börsenanfänger erhielt folgenden Rat: „Streue Deine Risiken so gut wie möglich und überlege Dir eine einfache Ausstiegsstrategie, falls es einmal nicht so gut läuft. Da Du eine Strategie hast, musst Du höchstens nur einmal täglich kurz auf Deine Werte schauen.“

Das hört sich schon besser an. Betrachten wir das Ganze – sehr vereinfacht – in der Praxis:

Unser Börsenanfänger 1 macht sich also auf die Suche nach einer viel versprechenden Aktie und kauft sie, mit einem Einsatz von 30.000 Euro. Und jetzt gehen wir sogar einmal davon aus, dass er Erfolg hat. Der erste Handel geht auf und er macht 10% Gewinn. Er verkauft die Aktie und muss sich nun eine andere suchen. Er analysiert von neuem und muss sich (logischerweise) zahlreiche Aktien anschauen, bevor eine adäquate findet.

Er findet schließlich eine Aktie, die ihm zusagt. Dummerweise kauft er aber kurz vor einer Korrektur und muss zusehen, wie seine Aktie 10% fällt.

„Macht ja nichts,“ denkt er sich „ Hauptsache ich gewinne öfter, als dass ich verliere…“. Also sucht er sich Die nächste Aktie und so weiter und so fort. Nach 10 solcher Trades hat er es tatsächlich geschafft 6 mal 10% auf seinen kompletten Einsatz zu gewinnen und 4 mal „nur“ 10% zu verlieren. Was kommt dann am Ende dabei heraus?

Aus seinem Einsatz von 30.000 Euro wurden 34.869. Ein Gewinn von etwa 16%

Wie ergeht es dem anderen Börsenanfänger? Hier machen wir es uns (bzw. dem Börsenanfänger) ganz einfach und gehen davon aus, dass der Börsenanfänger Nr. 2 ebenso 30.000 Euro zu Verfügung hatte und diese gleichverteilt in die 30 Dax-Werte investiert hätte. Einzige Regel: Sobald der 256-Tage-GD (der Jahresdurchschnitt) einer Aktie nach unten durchbrochen wird, soll er diesen Wert verkaufen und das so freigewordene Geld entweder in einen anderen (gut laufenden) Dax-Wert investieren oder auf eine Extra-Konto mit 3,5% Zinsen legen.
Auch hier wieder der Hinweis, dass dies keine unbedingt sinnvolle Vorgehensweise ist, da er keine Einstiegsregel beachtet. Nichtsdestotrotz ist das Ergebnis erstaunlich:

Denn was wäre passiert?

Anfang des Jahres hätte er also alle Dax-Aktien für jeweils 1000 Euro gekauft. Ein Einsatz von 30.000 Euro. Im Laufe der Zeit wären 16 (!) Aktien ausgestoppt worden, da sie ihren 256-Tage-GD nach unten durchbrochen hätten. Das Geld hätte er wie empfohlen erst einmal mit 3,5% Zinsen „geparkt“. Die restlichen Aktien sind nach wie vor in seinem Besitz. Das Resultat:

Momentan läge sein Ergebnis mit den Aktien bei ca. 33.900 Euro. Die „Park-Zinsen“ aus den ausgestoppten Dax-Aktien hätte etwa 250 Euro gebracht. Insgesamt – mit dieser Mini-Strategie - also ein End-Ergebnis von 34.150 Euro, ein Gewinn von etwa 14%.

Wer liegt besser? Der Zocker, der mit seinem gesamten Einsatz immer nur eine Aktie tradet oder der andere, der sein „Glück“ verteilt.

Der Zocker, weil er 16% erzielt hat und der Investor nur 14%?

Falsch.

Während der Zocker täglich (fast stündlich) mit seiner Aktie mitfiebern muss und sich nach Gewinn-Mitnahme oder Verlust-Stopp nach einer neuen Aktie Ausschau halten muss, kann der Investor eher gelassen auf sein Portfolio blicken.

16 Aktien wurden herausgespült und jetzt hat der Investor fast nur noch Trendfolge-Aktien wie Bayer, BASF, Deutsche Börse, e.on oder MAN etc. in seinem Depot, also solche:

man01.gif

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann der Investor den Zocker überholen wird. Wenn der Börsenanfänger Nr. 2 übrigens sein freigewordenes Kapital in andere Dax-Aktien investiert hätte, läge er bereits jetzt schon besser.

Und wenn Sie das Ganze mit einer etwas ausgeklügelteren Investitions-Strategie verfolgt hätten (also klare Einstieg- und Ausstiegsstrategie), läge das aktuelle Ergebnis seit Jahresanfang weit über den genannten 14%.

Was sind also die Vorteile des Investierens gegenüber des Zockens (zumindest in dieser Darstellung):

1.) Weniger Risiko
2.) Weniger Zeitaufwand
3.) Langfristig höherer Ertrag

Viel Erfolg an der Börse

Tom Firley

PS: Einen gewaltigen Nachteil hat der Zocker natürlich auch in Seitwärtsphasen seiner Aktie. Im schlimmsten Falle muss er seinem einzigen Wert monatelang tatenlos zuschauen …

Geldanlage-Strategie, Indizes

28.09.07 | 2 Kommentare

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