Liebe Leser,
das hätte ich mir denken können: Ich habe Leser mit einem sehr guten Gedächtnis - hier die E-Mail von Norbert H.:
Soeben ist Ihr gewünschtes Szenario eingetreten: Der Dow Jones hat die 10.000er Marke mit einem fulminanten 500-Punkte-Endspurt von ca. 9.550 auf 10.050 von unten durchbrochen.
Werden Sie jetzt euphorisch ? (…oder war das nur wieder mal eine Aktion des “Plunge Protection Teams” ?! )
Schönen Gruß und vielen Dank für Ihre guten täglichen Kommentare !
Diese Mail bezieht sich auf eine Textstelle vom 19. September aus meinem Investors Daily Update:
Erwarten Sie von mir erst wieder etwas mehr Euphorie - zumindest für die US-Indizes - wenn der Dow Jones über der 11.500 schließt (das sind per heute nicht einmal 5%…). Noch euphorischer würde ich übrigens, wenn der Dow Jones die 10.000er Marke (kein Schreibfehler) von unten nach oben durchbricht.
Bereits gestern Abend habe ich im Investors Daily erwähnt, dass ich Sie trotz meiner oben zitierten Zeilen etwas ernüchtern muss: Es ist sehr gut möglich, dass der Dow Jones in den nächsten Tagen (und Wochen) mit dieser immens wichtigen Marke kämpfen wird.
Dow Jones: Drei Varianten
Was kann uns also erwarten? Schauen wir uns den WOCHEN-Chart an:

Ich sehe im Wochen-Chart nüchtern betrachtet drei Varianten:
1.) Die Hinhalte-Variante: Schwarz eingekreist (zwei Kreise links) sehen Sie die Entwicklung des Dow Jones, nachdem er zweimal die 10.000 unter- und wieder überschritten hat. So geschehen in den Jahren 1999 und 2000. Diese für Anleger sehr unschöne „Hin und Her“-Phase mündete 2001 (u.a. 11.September…) und 2002 zu Punkt 2.)
2.) Die Kursrutsch-Variante: Rot eingekreist sehen Sie die Zeitpunkte 2001 und 2002, zu denen der Dow Jones die 10.000er Marke unterschritt und danach durchgereicht wurde. Die Interpretation der Anschläge vom 11. September 2001 und deren Auswirkung auf den Kurs lassen wir hierbei einmal außer Acht.
3.) Die Seitwärts-Variante: Grün eingekreist sehen Sie das Jahr 2004. Dieses Jahr war ab Mai gekennzeichnet durch einen Kampf um die 10.000. Auch in 2005 war dieser Kampf noch nicht ganz ausgestanden und Bullen und Bären lieferten sich erbitterte Schlachten um diese Marke.
Welche dieser Szenarien eintreten wird, vermag ich nicht vorauszusehen – rechnen müssen wir mit allen.
Sollten wir aus dem Gröbsten raus sein (was ich bezweifle…), kann dem Dow Jones wieder ein schneller Angriff auf die 11.000 oder gar 11.500 bevorstehen. Dies allerdings (wenn er zu schnell verläuft) hielte ich persönlich für ungesund und eine ebenso kräftige Gegenreaktion wäre zu erwarten.
Sollten uns in den nächsten Wochen Horror-Nachrichten (sprich: Gewinnwarnungen) innerhalb der Quartalsmeldungen der großen Unternehmen aus Dow Jones oder S&P 500 erwarten, kann uns ein Kurssturz blühen. Daneben kann natürlich auch „ganz schnell“ ein Kurssturz einsetzen, wenn die nächste richtig große Bank(ich nenne hier kein Beispiel, um Panik zu vermeiden) Pleite geht.
„Wer soll denn jetzt noch Pleite gehen?“ fragen Sie sich vielleicht. Diese Frage haben sich nach Bear Stearns auch sehr viele Anleger gestellt und viele weitere Pleiten folgten…
Wünschenswert aus meiner Sicht wäre die Seitwärts-Variante. Ein „kleiner“ Kampf um die 10.000. Ausatmen. Neuordnung an den Börsen. Klarere Sicht für Anleger. Eindämmen der Angst. Keine Panik-Kurse mehr. Keine zweistelligen (prozentualen) Kurs-Verluste bei Blue Chips an einem Tag. Keine Pleite mehr in Sicht.
Und damit wäre auch eine etwas „einfachere“ Identifizierung der Titel möglich, die gestärkt aus der Krise hervorgehen und solcher, die noch sehr lange (bis unendlich) am Boden liegen bleiben werden.
„Boden“ – das ist das Stichwort. Der bleibt abzuwarten. Ich hoffe, die Investoren der Welt treiben den Dow Jones (sorry, auch wenn das möglicherweise Ihren möglichen Investitionen gut tun würde…) heute nicht in einer Gegenreaktion weit über die 10.000 zurück. Denn dann müsste ich wieder 100mal im Internet die Frage lesen: „War es das?“
Und diese optimistisch wirkende Frage habe ich in den letzten Monaten viel zu oft gelesen und gehört.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley