Finanzkrise USA: Entscheidet sie den Wahlkampf?

Von Tom Firley

Aufgrund der prekären Finanzmarkt-Lage forderte McCain seinen Kontrahenten Obama dazu auf, die für morgen, Freitag geplante Fernseh-Debatte zu verschieben.

Sie kennen diese Debatten, die auch bei Deutschlands Kanzler-Wahlkämpfen vor einigen Jahren Einzug in Deutschlands Wohnzimmer gefunden hat. Genau, da wo Stotter-Ede keine große Chance gegen Phrasen-Gerhard hatte… Da, wo jede Handbewegung einstudiert ist und der jeweilige Kontrahent von verschiedenen Gesten-Profis vermutlich stundenlang geeicht wird, wann genau, zum Schluss der Sendung, bei welcher Stellung des Gegners man selbigem die Hand reichen sollte. Da hätte ich gerne mal Alt-Kanzler Helmut Schmidt gesehen, der sich diesem xxxxxxx (zensiert) sicherlich in dieser Form nicht unterzogen hätte. Zurück zum Thema:

Also, McCain will das Schauspiel verschieben, damit er sich jetzt persönlich in die Beratungen zwischen Kongress und Regierung einschalten kann, damit er etwas „tun” kann. Was auch immer das bedeutet…

Amerikanische Tugenden

Denken Sie, das war McCains Idee? Nun, ich denke, das war vielmehr die Idee eines cleveren Wahlkampfberaters. „Zeig den Leuten die gute, alte, amerikanische Tugend, Dinge anzupacken!” Damit brachte er (der Wahlkampfberater) natürlich den Gegner (nein, nicht Obama, sondern den cleversten unter den cleveren Wahlkampfberater) natürlich unter Druck.

Stimmt er einfach so zu, die Fernseh-Debatte zu verschieben. dann sieht er ein bisschen wie ein Weichei aus, der dem Vorschlag des Kontrahenten blind folgt. Lehnt er ab, dann könnte das McCain-Team ausschlachten und Obama als „Hilflosen Verkenner der brisanten Lage darstellen; einer der Dinge eben nicht anpackt”. Und das wäre natürlich unamerikanisch. Amerikaner haben gefälligst weitsichtig zu sein und Amerikaner haben Probleme beim Schopfe zu packen…

Richtig. Noch besser wäre es natürlich, Probleme im Vorfeld zu erkennen entsprechend gegenzusteuern…

Aber auch hier zeigt sich einmal mehr, was die Amis wirklich gut drauf haben: Marketing. Und wenn sie den Gedanken bis zum Schluss spinnen, dann haben wie auch einen der Gründe für die aktuelle Krise: Hervorragendes Marketing, also Werbung für Dinge, die keiner braucht bzw. noch schlimmer: die er sich nicht leisten kann (zum Beispiel eine überteuerte Immobilie…).

Charttechnik Dow Jones: 11.500 oder 10.000

Genug der Kritik

Nun, ich merke, ich schreibe mich langsam heiß. Das sollte ich als emotionsloser Charttechniker nicht tun. Zumal uns Kritik jetzt auch nicht weiter bringt. Statt nun auf die Bush-Regierung, den Paulson-700-Milliarden-Interventionsplan und dem abgedroschenen Helikopter-Ben rumzukloppen, möchte ich nur noch zwei Dinge loswerden.

1.) Obama hat abgelehnt, die Fernsehdebatte zu verschieben. Gesagt hat er das Folgende so nicht, aber vermutlich so gemeint: “Gerade jetzt will uns das amerikanische Volk hören. Gerade jetzt braucht uns das amerikanische Volk. Und gerade jetzt sollten wir (Johnny und ich) uns als Dienstleister dem großartigen amerikanischen Volk stellen.” Hm, vielleicht werde ich auch mal Wahlkampf-Berater…

2.) Charttechnisch macht es aktuell wenig Sinn, die Märkte zu durchleuchten. Einzeltitel könnten für Kurzfrist-Trader interessant, aber auch gefährlich sein. Ohne Stopps gehe zumindest ich nicht außer Haus.

Ich bleibe dabei: Optimistischer werde ich erst dann wieder, wenn im Dow die 11.500 oder die 10.000 von unten nach oben gebreakt werden.

Dennoch viel Erfolg an der Börse

Ihr

Tom Firley

Aktien international

25.09.08 | 45 Kommentare

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