Betrachten Sie bitte zunächst folgenden Dax-Chart

“Gehen wir vom großen Bild ins kleine: Der langfristige Gleitende Durchschnitt (GD, hier rote Kurve) des Deutschen Aktienindex wurde im August letzten Jahres Juni überboten und zeigt Ihnen eine Einstiegsmöglichkeit an. Der mittelfristige Durchschnitt (grün) wurde im Ende Juli diesen Jahres unterboten und generierte damit ein erstes Warnsignal; Entwarnung kann auf dieser Basis erst wieder gegeben werden, sobald etwa die 7.800er Marke überboten wird. Ganz kurzfristig (schwarzer GD) wurde im Dax letzten Donnerstag ein Kaufsignal generiert.”
Formal war die vorstehende Interpretation der Kurven richtig. Allerdings habe ich hier mitnichten die beliebten GD-Einstellungen von 20, 50 und 200 Tagen benutzt, sondern willkürlich die GDs auf 16, 68 und 171 Tage eingestellt.
Trading mit einem einzelnen, willkürlichen GD ohne Strategie macht wenig Sinn
Sie erkennen, dass also das Traden alleine mit einem einzigen GD keinen großen Sinn macht und (natürlich besonders in Seitwärtsphasen) zu Fehlsignalen führt. Denn wenn ich willkürlich gewählte GDs interpretieren kann und sogar für Einstiege nutzen könnte, warum sollte dann zum Beispiel ausgerechnet der für viele Anleger mittelfristig wichtige 50-Tage-GD zu guten Ergebnissen führen?
Der Grund für die Beliebtheit der GDs ist also wesentlich simpler: GDs sind einfach zu verstehen. Ein Gleitender Durchschnitt ist ja nichts anderes als ein täglich berechneter Mittelwert. Dadurch wird der Kursverlauf einfach geglättet und “klarer” dargestellt. Nicht mehr und nicht weniger. Und 20, 50 und 200 lässt sich einfach besser merken als z.B. 16, 68 oder 171.
Es lässt sich nicht von der Hand weisen, dass sich GDs (auch aufgrund Ihrer Einfachheit) zu sehr wichtigen technischen Hilfsmitteln in der technischen Analyse entwickelt haben. Alleine aufgrund dieser Tatsache, entwickeln sich Kurse nach dem Durchbrechen der bekannten GDs oftmals in die gewünschte Richtung (Stichwort: self-fulfilling prophecy).
Ich rate jedem, der auf diese Art und Weise tradet bzw. Einstiegspunkte findet, eine Stopp-Strategie mit in seine Überlegungen aufzunehmen. Trailing-Stopps, also Stopps die ständig gewinnsichernd nach oben nachgezogen werden, halte ich hierfür am sinnvollsten. Wie Sie wissen, besprechen wir solch eine Trailing-Stopp-Variante jeden Montag in unserem „rein theoretischen Handelssystem für den Dow Jones.
Der Fokus auf einen einzelnen GD führt also schlussendlich zu Verlusten. Denn “Hin und Her macht Taschen leer”. Damit will ich nicht sagen - ich wiederhole -, dass sich aus GDs (oder sogar aus einem) nicht ein interessantes System oder eine zeitweise funktionierende Strategie basteln lässt.
Z. B. führte die Nutzung „meines“ 256-Tage-GDs in Verbindung mit Trailing Stopps in der Vergangenheit zu guten Ergebnissen. Ich nutze den 256-Tage-GD, weil ein Börsenjahr etwa 256 Handelstage hat. Damit repräsentiert ein 256-Tage-GD nichts anderes als einen Jahres-Durchschnitt.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley