“Der größte Übernahme-Boom - aller Zeiten!” so eine Schlagzeile des Wall Street Journal.
“Die Fusionswelle in diesem Jahres ist die größte, unglaublichste, kühnste der Geschichte,” geht die Geschichte weiter.
In den ersten sechs Monaten 2007 gaben Aktiengesellschaften aus der ganzen Welt insgesamt 2,7 Billionen $ für Übernahmegeschäfte bekannt. Aufs Jahr hochgerechnet sind das 5 Billionen $. Hier sind die Zahlen der vergangenen Jahre in Billionen $
1995: 1,11
1996: 1,37 $
1997: 1,92 $
1998: 2,83 $
1999: 3,87 $
2000: 3,90 $
2001: 1,99 $
2002: 1,47 $
2003: 1,56 $
2004: 2,19 $
2005: 3,04 $
2006: 3,86 $
2007: 2.33 $ (bis 21. Mai)
Quelle: WSJ
Hier sind noch einige Zahlen: Die durchschnittliche Größe bei Übernahmen stieg um 58 % auf 298 Millionen $, die höchste Zahl aller Zeiten. In diesem Jahr haben Aktiengesellschaften bis jetzt 465 Geschäfte mit jeweils mehr als 1 Milliarde $ abgeschlossen. Die Konkurrenz für Geschäfte ist jetzt so wild, dass die Transaktionen riesige Prämien zu den Ziel-Aktienkursen liefern… zum Beispiel:
Das neue Angebot von Rupert Murdoch lag um 56 % über dem Aktienkurs des US-Verlags Dow Jones. Das Angebot von Alcoa für Alcan lag im Mai um 33 % über dem Aktienkurs von Alcan. Anadarko bezahlte 40 % mehr als der Aktienkurs von Kerr-McGee.
Das Leben im Übernahmeraum sieht momentan gut aus, oder nicht ?
Aber was würden Sie sagen, wenn ich Ihnen erzähle, dass es einen Geschäftszweig gibt, der in solch einer Krise ist, dass sich die Unternehmen nicht verschmelzen, um Gewinne zu machen…
Sie nutzen Übernahmen, um den Bankrott abzuwenden.
In dieser “Krisen-Industrie,” sprechen sie nicht von “Übernahmeprämien”, sondern von Übernahme-Rabatten (da die großen Investoren froh sind, wenn das Unternehmen übernommen wird, und sie die Aktien den Übernehmenden für einen Rabatt im Bezug auf den Marktpreis überlassen). Statt “Takeover” (Übernahme) sollten sie eigentlich “Takeunder” genannt werden.
Jim Rogers ist ein bekannter Spekulant, berühmt für seine unkonventionellen Investitionen … wie z.B. der Kauf von deutschern Aktien 1982, US-amerikanischen Schatzanweisungen 1981 und 1982 sowie Ghana-Investitionen in den 90er Jahren.
Vor ein paar Jahren fragte ihn jemand, wie er mit Verlust-Trades umgehe. “Ich habe keine Verlust-Trades,” war seine Antwort.
Jim Rogers weiß, wann die schlechten Nachrichten völlig im Aktienkurs eingepreist sind, und wann eine Aktie nicht noch weiter fallen “kann”. Und wenn ein Vermögenswert nicht preiswerter werden kann, steigt er wieder. Deshalb irrt sich Jim Rogers nie …, er kauft nur gehasste Vermögenswerte.
Regionalbanken werden in den USA so gehasst, dass wir hier die oben beschriebenen “Takeunders” sehen. Zwei Beispiele:
Im letzten Monat kaufte Financial PNC eine Bank mit 33 Filialen mit dem Namen Yardville National Bancorp. Sie bezahlte 2 % weniger als der Schlusskurs von Yardville an diesem Tag .
Einen Monat vorher kaufte Wells Fargo das Unternehmen Greater Bay Bancorp für 28,50 $ pro Aktie. Die kleinere Bank wurde am Tag zuvor für mehr als 29 $ pro Aktie gehandelt.
Es ist schon erstaunlich: Ausgerechnet in der größten, heißesten Übernahmephase aller Zeiten werden Unternehmen unter Marktpreis übernommen.
Sehen Sie hier, wie sich die Kurse verschiedener Regionalbanken in Michigan seit Jahresanfang entwickelt haben…
Capitol Bancorp Ltd.: -40 %
Independent Bank Corp: -41 %
Citizens First Bancorp, Inc: -35 %
Macatawa-Bankhandelsgesellschaft: -30 %
Mercantile Bank Corp: -40 %
Citizens Rep. Bancorp: -31 %
MBT Financial Corp: -12 %
Flagstar Bancorp, Inc: -20 %
Chemical Financial Corp: -24 %
In der Summe ist das regionale Bankwesen - hauptsächlich in amerikanischen Industriegebieten - der momentan am meisten gehasste Sektor der Aktienbörse. Ich wette, dass Jim Rogers hier zuschlagen würde, wenn er letztes Jahr nicht nach China gezogen wäre…
Good Investing,
Tom Dyson