Technische Analyse
Um mich kurz zu fassen: Bei der Technischen Analyse ist alles nur Mathematik. Kursbewegungen aus der Vergangenheit werden in eine oder mehrere Formeln gepackt. Als Resultat erhalten Sie dann eine Kurve im Chart, die Ihnen zum Beispiel anzeigen soll, ob sich ein Wert (Aktie, Index, Rohstoff etc.) in einem Aufwärtstrend befindet. Diese „Kurven” können Ihnen auch anzeigen, wann gerade ein Kaufsignal oder Verkaufsignal entsteht.
Der Oberbegriff für diese „visualisierten Formeln” heißt „Technische Indikatoren”.
Die wohl bekanntesten (und auch einfachsten) Vertreter der Technischen Indikatoren sind „Gleitende Durchschnitte” oder kurz GD. Oft ist hier auch der amerikanische Begriff „Moving Averages” (oder kurz MA) zu finden.
Gleitende Durchschnitte (GD)
Was ein Durchschnitt ist, dürfte klar sein… Wenn Sie heute 3 Tassen Kaffe trinken, morgen 2 Tassen und übermorgen 5, dann haben Sie im Schnitt am Tag 3,3 Tassen getrunken. Die Rechnung:
3 plus 2 plus 5 ist gleich 10 Tassen. Das Ganze geteilt durch drei Tage ergibt: 3,3 Tassen täglich oder:
(3 + 2 + 5) Tassen : 3 Tage = 10:3 = 3,3
So weit alles klar und einfach. Gehen wir einen Schritt weiter:
Zuviel Kaffee ist auf Dauer ungesund. Also wechseln wir jetzt zu ganz normalen Wasser. Gehen wir davon aus, dass Ihre tägliche Wasser-Tassen-Menge zwischen Null und 10 Tassen Wasser schwankt. Eine mögliche 20-Tage-Reihe sähe dann so aus:
1. Tag: 3 Tassen Wasser
2. Tag: 2 Tassen Wasser
3. Tag: 5 Tassen Wasser
An den weiteren Tagen jeweils: 8,4,1,4,3,8,5,6,7,9,6,8,5,4,8,7,6 Tassen Wasser
Der normale Durchschnitt wäre jetzt: Summe aller Tassen Wasser geteilt durch 20 Tage, also:
109 Tassen : 20 Tage = 5,45 Tassen täglich. Rechnen Sie nicht nach, die Zahl stimmt…
So weit so gut.
Angenommen Sie hätten sich innerhalb dieser 20 Tage dazu entschlossen, täglich mehr Wasser zu trinken.
Achtung, jetzt kommt der entscheidende (gedankliche) Schritt:
Um dies zu kontrollieren, bringt Ihnen der gesamte Durchschnitt (also Gesamtanzahl Tassen durch Gesamtanzahl Tage) relativ wenig. Daher wollen Sie wissen, wie viele Tassen Wasser Sie jeweils in den letzten 10 Tagen durchschnittlich getrunken haben.
Logischerweise erhalten Sie erst nach dem 10. Tag entsprechende Daten, da Sie für den 10-Tage-Durchschnitt eben auch 10 Tage an Daten brauchen.
Schauen wir uns noch einmal die obere tägliche Tassen-Wasser-Datenreihe an:
3,2,5,8,4,1,4,3,8,5,6,7,9,6,8,5,4,8,7,6
Am Abend des 10. Tages könnten Sie also einen ersten Durchschnitt bilden. Das wären also die Tassensumme der ersten zehn Tage geteilt durch zehn (Anzahl Tage). Ergebnis wäre 4,3. Jetzt entscheidend:
Am Abend des 11. Tages schauen Sie sich den Durchschnitt der letzten Tage an. Somit entfällt für die Berechnung die Tassenanzahl des ersten Tages und die Tassenanzahl des 11. Tages kommt hinzu, so dass wir wieder 10 zu messende Tage haben. Also berechnen wir die Summe der Reihe
2,5,8,4,1,4,3,8,5,6
und teilen alles durch 10. Ergebnis: 4,6
Grafisch sieht das so aus:

Die blaue Linie reflektiert die tägliche Tassen-Anzahl, die rosa-lila Kurve ist der jeweilige 10-Tages-Durchschnitt. Wie gesagt, der 10-Tage-Durchschnitt kann erst am Abend des 10. Tages beginnen (sofern Sie an diesem Abend kein weiteres Wasser mehr trinken und die Datenreihe abgeschlossen ist…), da Sie für die Berechung eben genau 10 „Daten“ brauchen.
Wie Sie in der Grafik erkennen, steigt der 10-Tages-Duchschnitt an.
Herzlichen Glückwunsch!
1.) Sie haben Ihr Ziel erreicht, täglich im Schnitt mehr Wasser zu trinken, von täglich durchschnittlich 4,3 auf 6,6 Tassen.
2.) Sie haben gerade verstanden, wie ein 10-Tage-GD errechnet wird.
Ein aktueller 10-Tage-GD für den Deutschen Aktienindex (DAX) sieht übrigens so aus:

Die blaue Linie ist der Dax-Kursverlauf, die rote Linie ist der 10-Tage-GD. Sie erkennen: Der 10-Tage-GD „glättet“ den Kursverlauf und Sie erhalten auf einen Blick eine Tendenz der letzten Wochen: Abwärts. Als Kurzfrist-Anleger könnte Ihnen ein Durchbrechen des Kurses über den 10-Tage-GD einen ersten (kleinen) Hinweis für eine bevorstehende Rally liefern.
Ich hoffe, ich konnte Ihnen den Begriff „Gleitender Durchschnitt“ einigermaßen plausibel darstellen.
Noch Fragen? Dann senden Sie mir bitte eine Mail.
Denn um einen Schritt weiter in der Technischen Analyse gehen zu können, „müssen“ Sie die GD-Berechnung verinnerlicht haben.
Frohe Ostern wünscht
Ihr
Tom Firley
PS: Wie Sie in der Grafik erkennen, ist Ihr Tassen-Wasser-Verbrauch am letzten Tag unter den 10-Tage-GD gefallen. Um das wieder aufzuholen sollten Sie heute mindestens 7 Tassen trinken… logisch, oder?
[...] Hier geht es weiter mit Thema „Technische Analyse“. [...]
Danke für diese Erklärungen des 10-Tages GD.
Frohe Grüße
Paul Zimmer
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Endlich mal eine Erklärung, die nicht all zu “technisch” und mit vielen Fremdworten gespickt ist.
Wenn ein Anfänger solche eine Erklärung bekommt, kann er etwas mit anfangen…
Weiter so *****
Sehr geehrter Herr Firley,
beim Herunterladen Ihres (ausgezeichneten) Artikels: Gleitende Durchschnitte, der Anfang aller Technischer Analyse, aus dem Archiv fehlen leider die charts. Soweit ich sehe liegt dies auch nicht an meiner browser-Einstellung. Gibt es hier eine Lösung ?
Mit freundlichen Grüßen
Alex Kronert
Ist ein technisches Problem, dass hoffentlich bald behoben wird