In Kollegenkreisen gelte ich als einer der letzten „Bullen“. Nun, das kann sicherlich durch meine zahlreichen optimistischen Darstellungen so anmuten. Aber natürlich bin ich mir auch der weltweiten Gefahren bewusst. Die Gefahrenherde sind ja schließlich auch unübersehbar: Immobilienkrise, Hypothenkrise, Finanzkrise etc.Ach so, und das Inflations-Gespenst sollten wir nicht vergessen.
Ich kenne einen, der es sicherlich nicht vergessen hat. Einen, der dieses Gespenst hasst wie die Pest, weil es ihm so viel Kummer bereitet.
Klar, von wem die Rede ist: Ben Bernanke.
Um den Ruf des Helicopter-Ben (der die Zinsen am liebsten auf Null treiben möchte, um Dollars unter die Leute zu bringen) loszuwerden, hat er erst einmal seit Amtsantritt im Februar 2006 die Zinsen kontinuierlich (weiter) erhöht auf 5,25%.
Dann machte er lange Zeit gar nichts. In den Protokollen der FED-Sitzungen war aber fast immer zu lesen: „some inflation risks remain“.
Tja, und jetzt, nach einigen „kleinen“ Zinssenkungen, werden die Leitzinsen in den USA innerhalb weniger Tage um 1,25 Prozentpunkte gesenkt; letzte Woche spontan 75 Basispunkte, gestern weitere 50.
Seltsam nur, dass gestern bei Veröffentlichung der Zinsentscheidung einer der Nebensätze fehlte, die sonst fast immer zu lesen waren: „some inflation risks remain“… (siehe oben)
Das Problemchen, das ich für die aktuelle Börsenlage sehe: Seit Bernanke in seinen Reden, Interviews oder eben Fed-Sitzungen ankündigte, die Zinsen nicht zu erhöhen, jubelten die Börsen und stiegen erst einmal kurz. Allerdings wurde diese „Rally“ dann meist sehr bald wieder abgefrühstückt.

Dann fingen ab 18.9.2007 die Zinssenkungen an. Zunächst von 5,25% auf 4,75%. Im oberen Dow Jones-Chart sehen Sie die Auswirkung (lange weiße Kerze) blau eingekreist. Wie Sie anhand der Kerze erkennen, jubelte hier der Dow Jones einmal mehr. Aber die Freude war nur von kurzer Dauer, seit Mitte Oktober fällt der US-Leitindex. Und mit ihm die anderen weltweiten Börsen.
Eine Befürchtung liegt nahe:
Wenn die „erzwungene“ Rally nach diesen gewaltigen Zinsschritten der letzten Tage auch wieder abgefrühstückt wird, kann der Dow Jones ganz leicht wieder unter die 12.000er Marke sacken.
Und ob dann die von vielen genannte ehemalige Allzeithoch-Marke von 11.750 Punkten dann noch nennenswerten Auffang-Charakter hat, ist anzuzweifeln…
Aber soweit ist es ja noch nicht. Daher:
Keine Panik. Vielleicht lassen Sie heute Börse einmal Börse sein, verkleiden sich als Frau (falls Sie keine sind) und gehen in den Weiberfasching.
Wie ich bereits berichtete: Nach einigen kleinen persönlichen Engagements (kleiner Depotanteil), warte ich erst einmal die weitere Entwicklung ab.
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley