Liebe Leser,
die Achterbahnfahrt im Dax geht fröhlich weiter. Aufwärts-Frohlocken und Abwärts-Ängste lösen sich ständig ab, ein wahres Wechselbad der Kurs-Gefühle.
Es kommt jetzt ganz darauf an, wie sich die Quartalszahlen der einzelnen Unternehmen entwickeln. Und damit hängen wir wieder einmal ganz eng an der Wall Street, wo heute Alcoa den Quartalsreigen eröffnet.
Seit Juli 2009 befindet sich der Dax nun in dieser Sägezahnbörse. Allerdings gelang es dem deutschen Leitindex nach jedem Bären-Angriff immer wieder neue Hochs zu erreichen.
Das Spielchen lief bis zum 26.April 2010, als das aktuelle Jahreshoch bei 6332 Punkten erreicht wurde. Die Bewegungen (die „Swings”) wurden nach Erreichen dieses Hochs immer wilder. Einer Bärenfalle folgte eine Bullenfalle und auch in den Medien drehten sich viele Analysten täglich wie eine Fahne im Winde…
Juli-2009-Aufwärtstrend muss halten
Wenn wir das Ganze etwas entspannter betrachten, darf genau eines nicht passieren: Die Juli-Aufwärtstrendgerade darf nicht unterboten werden. Genau dies bleibt abzuwarten.
Was sollte nun passieren, damit der Aufwärtstrend intakt bleibt? Ganz einfach: Ein neues Jahreshoch muss her! (flapsig ausgedrückt). Ansonsten besteht die Gefahr, dass die Bullen - begleitet von austrocknenden Umsätzen - verdursten und bis zum Herbst keine Grundlage für eine Rallye im vierten Quartal schaffen.
Fazit: Für große Dax-Investitionen fehlt mir angesichts der charttechnischen Lage die Begründung. Spannend genug wird es in den nächsten Wochen allemal werden. Dann wird sich zeigen, ob die hohen Quartalszahlen-Erwartungen an die Unternehmen erfüllt werden…
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley
bei seinem Debüt als “heißer” IPO hatte die “Bank of the United States” eine Kapitalisierung von 8 Millionen Dollar.
Im Jahr zuvor, 1790, verkaufte die neue Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika Staatsanleihen im Werte von 80 Millionen $, um den Krieg der amerikanischen Revolution und General Washingtons Rechnungen zu bezahlen. Die erste organisierte Börse wurde am 17. Mai 1792 in New York eröffnet, als sich 24 Makler und Großhändler unter einem “Buttonwood”-Baum (mangrovenähnlicher Baum) trafen, der dann später durch ein Gebäude an der Wall Street Nr. 68 ersetzt wurde.
Vor zwei Jahrhunderten wurde das Stehen auf einer Seifenkiste als “Hightech” betrachtet. Eine Börse konnte nicht viel größer sein, als die Hörweite einer lauten Stimme.
Diese Kerle waren voller Tatendrang und jemand musste die Anleihen herausgeben. Diese Gruppe war das New York Stock & Exchange Board, und alle Sorten von Anleihen und anderem Bankkapital begannen dort die Besitzer zu wechseln. Händler machten Geld über Spreads. Sie kauften Aktien zum Nennwert, sagen wir 100 $, und verkauften Sie mit einer Prämie von 1 bis 2 Dollar.
Nach dem “Bank of the USA”-IPO beruhigten sich die Dinge wieder und wurden etwas schwerfällig. Die Aktien wurden buchstäblich nach Vereinbarung gehandelt. Zweimal täglich hat jemand langsam die Namen der Aktien heruntergerattert, und wenn sie irgendjemand handeln wollte, wurden sie gehandelt, nachdem ihre Namen aufgerufen wurden.
The Big Board
Tatsächlich schuf die New Yorker Börse, genannt “The Big Board”, ein Kartell. Da sie den Handel mit selbstdefinierten “gelisteten” Aktien kontrollierten, konnte kein anderer ihre Spreads und Provisionen unterbieten. Dieses Monopol wurde nur um Mitglieds-Unternehmen erweitert, und es erforderte eine Lizenz, um an der Börse gelistete Aktien zu festen Provisionen zu handen. Die Kehrseite war die Liquiditäts-Grenze, aber die “Mitglieder” sorgten sich nicht. Das war nicht ihr Problem.
Der erste außerbörsliche Handel
Es gab einen Bruch von der New Yorker Börse. Etwas weiter unten an der Wall Street trafen sich die Händler und handelten ab und zu “außerbörslich”. Die festgelegten Provisionen hielten sich bis 1975. Das Monopol sollte 1975 ebenso beendet werden, obwohl es in der Praxis noch heute besteht.
Der Kongress schloss die Bank der Vereinigten Staaten 1811. Es scheint so, als ob einige “Freunde” von Kongressabgeordneten beim Kreditgeschäft mitmischen wollten. Es war nicht überraschend, dass einige Staatsbanken die Arbeit übernahmen und viele sahen ihren Aktien an der NYSE. Eine andere Bank of the United States startete 1817, aber sie wurde furchtbar schlecht geführt.
Andrew Jackson trat 1829 sein Amt an und er war überzeugt, dass die Bank of the United States korrupt und verfassungswidrig war (Banken werden nicht in der Verfassung erwähnt). Jackson verweigerte einen Vertrag, der bis zum März 1836 lief und entzog der Bank Geld aus dem US-amerikanischen Finanzministerium. Für seine Anstrengungen wurde er vom Senat kritisiert. Aber da sein Gesicht auf dem 20-Dollar-Schein prangt, hat er langfristig doch Erfolg gehabt…
Staatsbanken und lokale Banken nutzten die Abwesenheit einer Zentralbank als eine Lizenz, um Geld aufzunehmen und einfach so an alle zu verleihen, die es haben wollten. Die Spekulationen liefen zügellos im Amerika des Jahres 1836. Auf den Straßen tauschten die Leute wieder Aktien, Anleihen und alles, was handelbar war.
1836: Der Börsenhandel auf der Straße wird verboten
1836 handelte die Börse und verbot seinen Mitgliedern auf der Straße zu handeln, da dies offensichtlich ihre Provisionen bedrohte. Die Kreditschraube wurde angezogen. Im Jahre 1837 beendete eine Finanzpanik beendete. Hunderte von Banken mussten schließen, Handelsgeschäfte in New York gingen Pleite und sogar die US-amerikanische Regierung hatte Schwierigkeiten, die Zinsen auf ihre Schulden zu bezahlen. Es vergingen mehrere Jahre, bevor der Handel und die Wirtschaft wieder auf halbwegs sicheren Füßen stand.
Das war nicht das erste oder das letzte Mal, dass Spekulation gefolgt von Panik ein schwerwiegendes Auf und Ab für die Finanzmärkte bedeutet.
Aber jedes Mal überlebte die Aktienbörse und nahm ihr Geschäft erneut auf und stellte Kapital für wachsende Geschäftsmodelle zur Verfügung.
Good Investing,
Andy Kessler
wir Deutschen neigen dazu, manchmal etwas pessimistisch in die Welt zu blicken. Aufgrund der globalen Ereignisse und lokalen Nachrichten, die uns dieses Jahr verfolgen, erscheint dies auch nicht verwunderlich. Staatsverschuldung weltweit im Allgmeinen, Staatsverschuldung USA im Besonderen, Staatspleite Griechenland, Hartz IV-Diskussionen, Arbeitslosigkeit, Steuer-Sünder-CD etc. etc. und über das katholische Debakel möchte ich gar nicht erst sprechen; dieses Thema ist mir zu heikel (bzw. als Vater zwei Kinder zu geschmacklos).
Jetzt könnten wir uns natürlich von diesen negativen Erscheinungsbildern beeinflussen lassen und höchst sorgenvoll in die Börsen-Zukunft blicken („der nächste Crash kommt bestimmt… hat doch eh alles keine Sinn”).
Andererseits könnten wir aber auch auf die laufende Aktienmarkt-Rally blicken und bereits heute von neuen Allzeithochs in Dax, Dow Jones etc. schwärmen.
Nun, Sorgen und Schwärmereien haben meines Erachtens an der Börse wenig Platz. Aktien oder Rohstoffe, Investitionen oder Tradings, Blue Chips oder Small Caps… - das sind Themen, bei der zunächst einmal die Gefühle ausgeschaltet werden sollten. Das bedeutet aber nicht, dass das Leben mit der Börse bzw. das Interesse an selbiger nicht auch mit Spaß und Freude einhergehen kann.
Und diese Freude muss ja nicht unbedingt sofort in barer Münze gemessen werden. Die Beschäftigung mit der Börse ist eine Disziplin (manche bezeichnen es sogar als Kunst), bei der jeder (Profi, Anfänger, Guru… wenn es solch eine Spezies gibt) täglich etwas Neues lernen kann. In diesem Zusammenhang:
In den letzten Tagen und Wochen habe ich Ihnen einen meiner wichtigen Mosaiksteine der Chart- bzw. Technischen Analyse vorgestellt, die beiden Indikatoren Firley lang und Firley kurz. Falls Sie diese Darstellungen einmal durchschmökern wollen, schauen Sie doch mal ins Investors Daily-Archiv
Was mir wichtig war: Ich stellte auch die Schwächen dieses Systems in Seitwärtsphasen bzw. sehr schnellen Kurswechseln dar. Auf der anderen Seite haben Sie aber auch gesehen, dass es durchaus Phasen an der Börse gibt, in denen Sie an der Seitenlinie besser aufgehoben sind (also einfach nicht investiert sind). Und wenn Sie noch ein bisschen genauer hingehört haben, dann wissen Sie jetzt, dass es eben auch Möglichkeiten gibt, an fallenden Kursen zu verdienen. Sie sehen:
Börse ist nun mal ein Wechselspiel. Momentan befinden wir uns in einer Aufwärtsphase. Wie lange diese noch anhalten wird, wage ich nicht zu prophezeien. Aber es ist klar, dass dieser Hausse (anders kann dies auch vom größten Skeptiker nicht mehr bezeichnet werden) auch einmal eine Baisse folgen wird. Ob der Hochpunkt, dann bei 6.300 oder 8.000 oder 10.000 Punkten liegt - wer soll das wissen?
Wichtig ist nur für sich selbst zu wissen, wann ein Gewinn mitgenommen wird und wann möglicherweise ein Verlust begrenzt wird. Werfen wir hierfür noch einen ganz kurzen Blick auf eine Aktie aus dem TecDax:
Am 19. Februar schrieb ich Ihnen: Heute stand die Solarworld-Aktie im Tief bei 11,13 Euro, konnte sich im späten Handel dann wieder etwas berappeln und stieg auf 11,35 Euro… Für (noch nicht engagierte) Short-Zocker dürfte die Aktie unter 11 Euro besonders interessant werden…
Genauso kam es dann auch und der Short-Spekulant konnte sicherlich gute Ergebnisse erzielen, da Solarworld noch ein gutes Stück unter 10 Euro fiel. Wie aber sieht es heute aus? Nach dem Ausflug unter die 10-Euro-Marke konnte sich die Solarworld-Aktie wieder berappeln und bewegt sich aktuell um 11 Euro herum. Das Praktische:
Je nach weiterem Verlauf kann der Anleger auf ein konkretes Kaufsignal warten (ob mit Hilfe der Charttechnik, Fundamental-Analyse oder auch mit dem Firley-System) UND - das ist das Wichtige - er weiß sofort, wann er mit seinem Einstieg falsch lag.
Es kommt bei Tradings oder Investitionen nicht darauf an, am Tief einzusteigen und am Hoch einzusteigen. Es kommt darauf an, zu wissen, warum der Einstieg erfolgte und wann diese Idee vielleicht doch nicht so gut war… (einfach ausgedrückt: Warum erfolgt der Kauf und wo setzen Sie Ihren Trailing Stopp).
Viel Erfolg an der Börse
Ihr
Tom Firley